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„Wir haben starke Feuerwehren“, sagt der Kreisbrandmeister

Quelle : Pressebericht Südkurier vom 27.02.2022

Kreisbrandmeister Dominik Rotzinger, der im Landkreis Waldshut an der Spitze der Freiwilligen Feuerwehren steht, spricht über seine Aufgaben, Zusammenhalt und Engagement auch in Coronazeiten.

VON URSULA FREUDIG

 

Herr Rotzinger, was genau macht ein Kreisbrandmeister?

Ich habe die Aufsicht über alle 32 Gemeindefeuerwehren und die fünf Werkfeuerwehren im Landkreis Wald-shut. Ich berate die Gemeinden bei der Planung ihrer Feuerwehr und unterstütze die jeweiligen Einsatzleiter. Schwere Einsätze bei denen es auch um Menschenleben geht, verfolge ich über Funk oder fahre selbst mit Blaulicht hin. Ich bin außerdem Leiter der Abteilung Brand- und Katastrophenschutz, die zum Ordnungsamt gehört. Und weiterhin für die Organisation der Feuerwehr-Ausbildung und für repräsentative Aufgaben wie Ehrungen, zuständig.

 

Was ist Ihnen besonders wichtig?

Genaue Abläufe. Wird zum Beispiel bei der Leitstelle ein Wohnungsbrand gemeldet, muss der Brand richtig eingestuft werden, damit klar ist, welche Fahrzeuge, welche Manpower und welches Equipment zum Einsatz kommen und welche Hilfsorganisationen wie DLRG, DRK oder Bergwacht, involviert werden müssen. Ein fehlerfrei funktionierendes digitales Meldenetz ist bei allen Einsätzen Grundlage. Ich bin dafür verantwortlich, dass hierfür alle 38 Funkmasten, die verteilt im Landkreis Waldshut stehen, jederzeit in Ordnung sind. Nicht nur die Feuerwehren, auch alle anderen Hilfsorganisationen werden über diese Funkmasten alarmiert

 

Es heißt immer, bei der Feuerwehr hat die Kameradschaft einen besonders hohen Stellwert, stimmt das?

Ja, man muss sich bei Einsätzen immer voll aufeinander verlassen können. Dies nicht nur innerhalb der eigenen Truppe, sondern auch auf die Einsatzkräfte in den anderen Hilfsorganisationen. Für mich ist ein Einsatz nur dann erfolgreich, wenn alle an einem Einsatz Beteiligten optimal zusammen gearbeitet haben. Voraussetzung dafür ist eine gute Kommunikation, was uns im Landkreis Waldshut besonders gut gelingt. Unser Führungsstab ist keine reine Feuerwehrtruppe wie in vielen anderen Landkreisen, sondern besteht aus gleichberechtigten Mitgliedern aller Hilfsorganisationen.

 

Was sind beim Brandschutz die Herausforderungen?

Brandschutz macht sehr viel Arbeit. Die Feuerwehr ist bei Neubauten beteiligt. Im Architekturstudium kommt Brandschutz kaum vor, deshalb muss oft vor Ort diskutiert werden. Richtig teuer wird Brandschutz in der Regel nur, wenn eine besondere Gestaltung des Gebäudes gewünscht wird wie zum Beispiel eine große Offenheit. Fehlende Abtrennungen erfordern für die Sicherheit eine Kompensation durch erhöhte Brandschutzmaßnahmen. Bei bestehenden Gebäuden, in denen viele Menschen zusammen kommen, wie Schulen oder Krankenhäuser, sind regelmäßige Brandverhütungsschauen zur Gefahrenabwehr mit Beteiligung der Feuerwehr vorgeschrieben. Hier muss vielfach nachgerüstet werden, weil der Brandschutz früher lockerer gehandhabt wurde. Was vor 50 Jahren „verschlafen“ wurde, muss jetzt oft durch aufwändige Brandschutzmaßnahmen kompensiert werden.

 

Eine Katastrophe, die über uns alle hereingebrochen ist, war und ist Corona – wie hat die Pandemie Sie und allgemein das Landratsamt Waldshut gefordert?

Zu Beginn der Pandemie war es sehr schwierig. Wir kämpften gegen einen unbekannten Gegner, aber unser Landrat hat schnell reagiert und frühzeitig Themen wie Schutzkleidung, Testkapazitäten und Nachverfolgung, in den Verwaltungsstab eingebracht. Ein Führungsstab mit bis zu 15 Ehrenamtlichen von der Feuerwehr und anderen Hilfsorganisationen mit mir als Hauptamtlichen an der Spitze, wurde gebildet. Wir haben uns zunächst schwerpunktmäßig um die Beschaffung von Schutzmaterialien und die Logistik gekümmert, später kam die Impflogistik dazu. Es war uns zu Beginn der Pandemie schnell klar, dass wir überwiegend nicht in Deutschland produzierte Schutzmaterialien zentral einkaufen müssen, weil Krankenhäuser, Arztpraxen oder Apotheken, die grundsätzlich selber für solche Einkäufe zuständig sind, keine Chance hatten. Um überhaupt etwas bei einem begrenzten Angebot und hoher Nachfrage zu bekommen, musste im großen Stil eingekauft werden und dies leider zu einem hohen Preis. Der Landkreis hat Millionen ausgegeben, die der Bund nicht vollständig erstattet. Es war ein Kraftakt von uns allen, für die Gesundheit aller zu kämpfen und schnell was auf die Beine zu stellen.

 

Ist der Umgang mit Corona mittlerweile eingespielt?

Ja, wir können entspannt sein. Der Landkreis hat noch genügend Schutzmaterialien und Impfstoff auf Lager. Es wäre uns allerdings lieber, wir hätten weniger Impfstoff und dafür mehr Geimpfte.

 

Hatte und hat Corona Auswirkungen auf die Feuerwehren des Landkreises?

Ja, es gab Pandemie-Phasen, in denen die Ausbildung ganz ausgefallen ist oder nur das Notwendigste in Kleingruppen vermittelt werden konnte. Besonders schmerzt es, dass das kameradschaftliche Miteinander stark gelitten hat. Keine Nachbesprechungen, kein Zusammensein nach Einsätzen, kein Tag der offenen Tür, keine Hauptversammlungen. Besonders auch die Jugendfeuerwehr lebt von persönlichen Kontakten, von Spiel und Spaß. Einige sagen, dass die Pandemie eine Lücke bei den Mitgliederzahlen reißen wird. Andere meinen, dass im Sinne eines „jetzt erst recht“, die Bindungen an die Feuerwehr sogar wachsen könnten. Wir hoffen sehr, dass bei Gewährleistung der Sicherheit von uns allen, dieses Jahr das ein oder andere nachgeholt werden kann.

 

Wie sehen Sie die Freiwillige Feuerwehr im Landkreis Waldshut generell aufgestellt? Wo gibt es Probleme?

Wir haben starke Wehren, die auf einem großen, ehrenamtlichen Engagement beruhen. Schwieriger geworden ist die Tagesbereitschaft, dass bei Einsätzen schnell genug genügend Feuerwehrleute einsatzbereit sind, weil immer mehr und länger zwischen Wohn- und Arbeitsort gependelt wird.

Eine Lösung könnten Doppelmitgliedschaften sein. Wer zum Beispiel in Stühlingen wohnt und in Dogern arbeitet, könnte in beiden Gemeindefeuerwehen Mitglied sein. Und wie fast überall, ist auch bei uns der Nachwuchs kein Selbstläufer mehr. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, dass sich viele gern in Projekten engagieren, aber ungern langfristig binden. Die Feuerwehr lebt aber von Langfristigkeit, weil die Grundausbildung und daran an-schließende Fort- und Spezialausbildungen über Jahre gehen. Es muss uns also gelingen, die Leute langfristig zu begeistern.

 

Wie haben sich denn die Mitgliederzahlen entwickelt?

Im Landkreis Waldshut ist die Zahl der aktiven Feuerwehrangehörigen 2021 im Vergleich zu 2016 um ein Prozent auf 3269 gestiegen ist. Auch bei der Jugendfeuerwehr sind es mehr geworden. Insgesamt sind über 5100 Menschen, einschließlich der Mitglieder von Jugend- und Altersabteilungen, in den Feuerwehren des Landkreises Waldshut aktiv. Das sind zwei Prozent mehr als 2016, Tendenz steigend. Bei den Frauen sind es 30 Prozent mehr als 2016.

Das stimmt mich optimistisch. Was aber dennoch kommen dürfte, sind für sehr zeitaufwändige Aufgaben immer mehr Hauptamtliche in den Freiwilligen-Feuerwehren. Peter Wolf ist der erste hauptamtliche Kommandant der Feuerwehr Waldshut-Tiengen, ich bin der erste hauptamtliche Kreisbrandmeister und neben Waldshut-Tiengen, haben Bad Säckingen, Murg, Wehr, Albbruck, Klettgau und auch St. Blasien bereits einen hauptamtlichen Gerätewart.

 

Ist Kreisbrandmeister für Sie ein Traumjob und sehen Sie ehrenamtliches Engagement in der Feuerwehr als „Traum-Ehrenamt“?

Ich kann mir für mich gar keine andere Aufgabe mehr vorstellen. Und für jeden, der was für die Allgemeinheit tun will, kein schöneres und sinnvolleres Ehrenamt als bei der Feuerwehr oder auch anderen Hilfsorganisationen. Es gibt einem auch persönlich sehr viel. Die Feuerwehr ist kein Verein, bietet aber auch vereinsähnliche Aktivitäten. Sie ist eine Einrichtung der Gemeinde und hat ein besonderes Gewicht. Es kann bei uns um Leben oder Tod gehen. Ehrenamtliche Feuerwehrangehörige helfen unentgeltlich Menschen in Not, das verdient größte Anerkennung und Wertschätzung.

 

 

 

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